Die wahre Kunst des Helfens

Gegen Ende dieses Ausbildungsjahres reichte mir eine meiner Vortragenden eine kleinen Papierrolle. Etwas zum Nachdenken für die Ferien meinte sie. 
Die Rolle blieb vorerst ungeöffnet bei meinen Unterlagen liegen - die Ferienfreude war zu groß -, bis sie mir vor Kurzem wieder in die Hände fiel. 
"...Etwas zum Nachdenken..." - Die Vortragende sollte Recht behalten.
Nimm doch auch Du dir ein paar Minuten Zeit um den Text zu lesen.

"Wenn wir beabsichtigen,
einen Menschen zu einer
bestimmten Stelle hinzuführen,
müssen wir uns zunächst bemühen,
ihn dort anzutreffen, wo er sich befindet,
und dort anfangen.
Jeder, der dies nicht kann,
unterliegt einer Selbsttäuschung,
wenn er meint, anderen helfen zu können.
Wenn ich wirklich einem anderen helfen will,
muss ich mehr verstehen als er,
aber zuallererst muss ich begreifen,
was er verstanden hat.
Falls mir dies nicht gelingt,
wird mein Mehr-Verständnis für ihn keine Hilfe sein

Würde ich es trotzdem durchsetzen,
dürfte dies wohl in meiner Eitelkeit begründet sein:
Ich möchte meine Unterstützung
durch seine Bewunderung ersetzen.
Aber jede wahre Hilfe
muss mit einer Erniedrigung anfangen:
Der Helfer muss zuerst knien vor dem,
dem er helfen möchte."

(S. Kierkegaard)

Nicht nur für die Pflege ist dieser Text bezeichnend. Auch im (ganz normalen,) sozialen Umgang miteinander gibt es fast immer jemanden der Hilfe benötigt. Sei es der beste Freund/die beste Freundin, eine mir vollkommen unbekannte Person oder, wie immer wieder in der Jugendarbeit anzutreffen, eine Person, die in die bestehende Gemeinschaft einfach nicht hinein findet oder nicht hinein gelassen wird. Es gibt unglaublich viele Gelegenheiten das „Helfen“ zu üben und zu erlernen...