Beten
Das persönliche Gebet in der Stille ist eine ganz zentrale Weise des christlichen Betens. Jesus zog sich oft zurück, um in der Einsamkeit zu beten (vgl. Mk 1,35; Lk 5,16), besonders wenn er wichtige Entscheidungen zu treffen hatte, wie z.B. bei der Wahl der Apostel (vgl. Lk 6,12) oder vor seiner Passion (vgl. Mt 26,36). In der Stille suchte und fand er die Nähe zu Gott, seinem Vater.
Im stillen Gebet können auch wir die Nähe Gottes entdecken. In der Stille mit und vor Gott sein zu können ist ein großes Geschenk. Im Ver- harren vor seinem Angesicht und im Lauschen auf unser Inneres zeigt sich, wer Gott ist und wer wir sind – und wohin unser Lebensweg gehen soll.
Anleitung
- Ich suche mir einen Ort, an dem ich ungestört bin und mich wohl fühle. Ich nehme eine angenehme Körperhaltung ein, in der ich es längere Zeit aushalten und innerlich aufmerksam sein kann.
- Ich beginne meine Gebetszeit mit einer Geste (z.B. mit dem Kreuzzeichen) oder mit einer Verbeugung. Ich werde innerlich still. Ich achte auf meinen Atem – wie er kommt und wie er geht. Ich verweile eine zeitlang dabei.
- Dann wende ich mich Gott zu. Ich eröffne mein Gebet mit einer kurzen Bitte um seine Unterstützung, z.B. so: „Herr, ich möchte diese Zeit ganz für Dich da sein. Bitte lass alles, was ich jetzt denke, will und fühle, ganz auf Dich hin ausgerichtet sein.“
- Jetzt beginnt die eigentliche Gebetszeit. Ich kann sie verschieden gestalten:
- Ich kann einfach still vor Gott da sein. – Hören, Lauschen, Anbeten, ...
Oder, wenn ich in der Natur bin, spüren, wie Gott in der Schöpfung anwesend ist. Wie er alles erhält und umsorgt und für mich da ist.
Oder ich kann mir einen kurzen Abschnitt aus der Bibel auswählen und ihn zu mir sprechen lassen: Ich versuche mir vorzustellen, wie das damals war; was die beteiligten Personen gedacht und erlebt haben; wie ich mich an ihrer Stelle verhalten würde; was das für mich bedeuten könnte... - Die letzen Minuten meiner Gebetszeit sind dem ausdrücklichen Gespräch mit Gott gewidmet: Ich knüpfe an dem an, was sich mir in der Gebetszeit gezeigt hat. Ich versuche dabei mit ihm mit richtigen inneren Worten zu sprechen. Alles darf hier gesagt und angesprochen werden.
- Ich ende mit einem Vaterunser und beschließe meine Gebetszeit mit einer Geste oder einem anderen Ritual.
- Nach der Gebetszeit schaue ich noch einmal auf den Verlauf des Gebetes zurück. Wie ist es mir ergangen, was hat sich gezeigt?