Tagesrückblick
Für Ignatius von Loyola ist der Tagesrückblick die wichtigste persönliche Gebetszeit des Tages. Er schärft den Sinn für die Spuren Gottes im Alltag. Denn wenn Gott der ist, der immer und überall gegenwärtig ist, dann muss er auch in allem, was wir täglich erleben, gesucht werden; dann kann er auch in jeder Situation gefunden werden.
Jeder Tag ist voll von Eindrücken, Begegnungen und Stimmungen. Er enthält Freude, Enttäuschung, Missmut, Eifersucht, Begeisterung und vieles mehr. Wichtig ist, all das wahrzunehmen, ohne sofort zu werten. Gott spricht zu mir durch die Begeisterung genauso wie durch die Enttäuschung. In allem und durch alles will er sich mir mitteilen. In der Begeisterung wächst mir Mut zu; in der Enttäuschung komme ich der Wirklichkeit näher; in der Eifersucht spüre ich meine Grenzen, meine Ängste.
Manche Empfindungen sind angenehm, andere würde ich lieber aus meinem Tag streichen. Aber durch alles kann Gott mich führen! Und wenn ich mich auf diese leise Stimme in mir einlasse, werde ich dabei immer ein Stückchen weiter, freier, liebevoller und geduldiger.
Ablauf
- Ich suche mir einen Ort, wo ich für mich sein kann.
Ich setze einen bewussten Anfang, z.B. ein Kreuzzeichen oder eine Verneigung.
Ich mache mir bewusst: Gott ist da. Ich bin da. Ich bin da vor IHM, so wie ich jetzt bin.
Ich brauche nichts zu leisten, nichts zu verändern. Ich bin einfach da. - Ich danke Gott für das Gute, was ich heute erlebt habe.
- Ich bitte Gott um Mut und Entschiedenheit, mich der Wahrheit dieses Tages zu stellen.
- Ich blicke mit meiner Aufmerksamkeit auf den Tag zurück: Was war an äußeren Geschehnissen? Was war in mir? Ich gehe die einzelnen Stunden des Tages durch. Dabei lasse ich die Empfindungen, die ich dabei hatte, in mir aufsteigen; vielleicht bemerke ich sie jetzt zum ersten Mal: Freude, Unruhe, Angst, Dankbarkeit, ... Es geht nicht um Vollständigkeit, sondern um ein Verweilen bei dem, was mir wichtig ist.
- Ich bringe vor Gott, was ich wahrgenommen habe. Ich danke für alles, was gelungen ist. Ich bitte um sein Erbarmen für alles, was schwer war. Ich bitte um Vergebung, wo ich schuldig geworden bin.
- Ich blicke voraus auf den neuen Tag. Ich vertraue Gott diesen Tag an und bitte um seine Kraft und Hilfe. Ich ende mit dem Vaterunser und setze einen bewussten Abschluss, z.B. ein Kreuzzeichen oder eine Verneigung.