Ignatius und die Jesuiten

1491, ein Jahr vor der Entdeckung Amerikas, wird Ignatius von Loyola als jüngstes Kind eines alten baskischen Adelsgeschlechts geboren. Seine Erziehung und sein ganzes Wesen ist geprägt von den Idealen des mittelalterlichen Rittertums – Ehre, Ruhm, Tapferkeit.

Im Alter von 30 Jahren zerschmettert bei der waghalsigen Verteidigung der Festung Pamplona eine Kanonenkugel Ignatius’ rechtes Bein. Seine Karriere ist dahin. Der Genesungsprozess mit schmerzhaften Operationen und vielen Rückschlägen erstreckt sich über Monate. Einige Male ist Ignatius dem Tode nahe. In dieser Zeit sieht er sich zum ersten Mal ernsthaft mit sich selbst und seinem Leben konfrontiert. Er beginnt, das Vergangene zu reflektieren und Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Er macht verschiedene Gnadenerfahrungen und sammelt erste Erkenntnisse über die Verschiedenheit der „Geister“, der Regungen in seiner Seele. Die Lebensgeschichten von Heiligen beginnen, ihn zu faszinieren. Schließlich weiß er: Von nun an soll es in seinem Leben nur noch um die größere Ehre Gottes gehen – wie jedoch, ist ihm noch völlig unklar. 

Ignatius beginnt sein Pilgerleben. In Manresa in der Nähe des Montserrat in Katalonien verbringt Ignatius ein Jahr in Gebet und strenger Buße. Er gerät an die Abgründe menschlicher Existenz: Große Traurigkeiten befallen ihn, Gewissensbisse, sogar Selbstmordgedanken. Doch in dieser Zeit, so berichtet Ignatius, führte Gott ihn wie ein Schullehrer ein Kind, und allmählich versteht er:

Im Leben für Gott geht es nicht um Heldentaten, sondern um mehr Gelassenheit, das rechte Maß, mehr Hoffnung, mehr Vertrauen in ihn, um ein Mehr an Liebe.

Auf die große Niedergeschlagenheit folgen Klarheit und Freude. Besonders die Erleuchtung am Fluss Cardoner ermöglicht ihm einen völlig neuen Blick auf die Menschen, die Welt und auf Gott. In seinen berühmten Buch „Die Exerzitien“ fließen alle diese Erfahrungen und Einsichten zusammen. Nach einer abenteuerlichen Jerusalemwallfahrt beschließt Ignatius zu studieren. Er will Seelsorger werden. Das Studium führt ihn nach Spanien und nach Paris. Zusammen mit sechs Freunden gelobt er 1534 auf dem Montmartre Armut und Ehelosigkeit. Da er und seine Freunde nicht, wie ursprünglich geplant, nach Jerusalem pilgern können, stellen sie sich 1538 Papst Paul III. für Arbeit in der Seelsorge zur Verfügung. 1539 gründen die Freunde die „Gesellschaft Jesu“. 1540 wird sie offiziell vom Papst bestätigt. Ein Jahr später wird Ignatius einstimmig zum ersten Generaloberen gewählt und bleibt fortan in Rom. Am 31. Juli 1556 stirbt Ignatius. Zu diesem Zeitpunkt hat der Orden weltweit bereits mehr als 1000 Mitglieder.

1622 wird er heiliggesprochen. Sein Fest ist am 31. Juli.